Eselin Marie, Eselfreunde im Havelland, Brandenburg

Wann immer wir eine Meldung rausgeben, dass wir uns von einem unserer langohrigen Gefährten verabschieden mussten, erreicht uns eine ganz bestimmte Frage.

"Was ist nur los bei Euch? Warum sterben so viele Esel?"

Diese Frage wollen wir hier gerne beantworten.

Unser Handeln soll transparent sein. Daher veröffentlichen wir unsere Rückschläge genauso wie unsere Erfolge und Glücksgeschichten. 

Die meisten bei uns lebenden Esel stammen aus einer vormals nicht eselgerechten Haltung. Die Tiere kommen mit verschiedenen Lebens- und Leidensgeschichten bei uns an. Erkrankungen durch falsche Fütterung, Befall mit Endo- und Ektoparasiten, sehr schlechter Pflegezustand, insbes. der Eselhufe, Schädigungen des Bewegungsappparates und vieles andere mehr.

Ein Beispiel dafür ist die Eselstute Samubaja, die wir vor einiger Zeit bei uns haben und kennelernen durften.

Diese Geschichte liegt einige Jahre zurück, dennoch ist sie aktuell und kein Einzelfall. Sie ist stellvertretend für unzählige tragische Geschichten rund um die Tiere. Gerettet aus Spanien lebte Samubaja allein in einer Kleingartenkolonie. Ihre Besitzerin wollte sie nutzen, doch für die artgerechte Haltung war kein Interesse vorhanden, für eine korrekte veterinärmedizinische Behandlung kein Geld. Irgendwann "übereignete" sie die weiße Eselstute der Noteselhilfe. Sie überließ es somit der Noteselhilfe und uns, als Pflegestelle,die Schäden zu richten, die durch sie und Samubajas Vorleben an Körper, Geist und Seele der armen Stute entstanden waren. Kurz vor dem Verhungern, geschwächt und in einem schlimmen Zustand kam sie bei uns an. 

Lesen Sie hier die ganze Geschichte von Samubaja - soweit sie uns bekannt ist. 

Eselstute Samubaja im Juni 2011

Die weiße Eselstute Samubaja. Foto: Jenny May

Eselstute Samubaja Juni 2011

 Samubaja - noch immer ausgemergelt, die Wunde auf der Kruppe verheilte langsam. Foto: Jenny May

 

Eselstute Samubaja endlich in der Herde angekommen

Samubaja ist in der Herde angekommen. Sie hat für acht Monate erfahren dürfen was es heißt, es artgerechtes Leben in einer Eselherde zu führen. Dann hat sie uns für immer verlassen. Foto: Jenny May


Wir sind in erster Linie ein Tierschutzverein und kein Gewerbebetrieb. Wir kümmern uns um die, die nicht gewollt sind, die überflüssig wurden.

Einige unserer Langohren würden nicht mehr über sonnenbeschienene Wiesen laufen, wenn sie nicht durch uns oder andere Eselfreunde vor einem schlimmen Schicksal auf dem Schlachthof bewahrt worden wären. Möglicherweise hätte man diese Seelen auf Transportfahrzeuge gezerrt und nach Südeuropa gekarrt, dort gilt Eselfleisch als Delikatesse. Oder sie wären direkt vor Ort in einem Schlachthof ermordet worden. Drei Beispiele für Esel, die diese düstere Zukunft vor sich hatten sind Esel Carlos, Esel Archibald und Eselin Kaatje.

Eselin Kaatje vor dem Schlachter gerettet.

Unsere Kaatje. So stand sie, bereits als Todeskandidatin markiert, auf einem holländischen Schlachthof. Nun ist sie glücklich bei uns in Brandenburg und kann ihr Dasein genießen. Sie wird von ihren Paten Dörte und Lutz liebevoll umsorgt und verwöhnt, wann immer diese da sind, um ihren Patenesel zu besuchen. Auch über ihre Vorgeschichte ist uns nur bekannt, dass sie "überflüssig" war und ihr Vorbesitzer sich die einfachste Methode ausgesucht hat, um sich von seiner Eselin zu trennen.

Die hier vorgestellten langohrigen Persönlichkeiten stehen beispielhaft für viele Lebewesen, die eine, uns betreuenden Menschen, unbekannte Vergangenheit haben.

Dazu gesellen sich jene Geschöpfe, die ein stolzes Alter erreicht haben. Die trotz ihrer Zipperlein und Gebrechen mit Würde ihr Rentnerdasein bei uns genießen konnten oder es noch immer können. Im Februar mussten wir uns von unserem Islandpferd Lysier verabschieden. Morgens lag er tot auf der Weide - er ist in der Nacht eingeschlafen. Lysier hat 29 Jahre hier auf Erden verbracht - trotz Hufrollenentzündung und später Equinem Cushing Syndrom. Hätten wir ihn nich von 14 Jahren zu uns genommen, wäre sein Hiersein bereits von langer Zeit gewaltsam beendet worden.

Darüber hinaus gibt es die Fälle, in denen ein Tier plötzlich erkrankt oder verunfallt. Eine Kolik ist für einen Equiden immer lebensbedrohlich und mit Schmerzen verbunden. In solchen Fällen beraten wir uns mit unseren behandelnden Veterinären. Manchmal hilft es, ein Medikament zu verabreichen. In einigen Fällen muss ein Esel in die Tierklinik gebracht und operiert werden. In jeden Fall tun wir stets alles, was in unserer Macht steht, damit unserem Esel geholfen wird. Dabei steht für uns an erster Stelle, dass der erkrankte oder verunfallte Esel schmerzfrei ist und würdevoll weiterleben kann. 

Eselin Maggie

Eselin Maggie. Sie war mit schweren Kolik-Symptomen von uns in die Pferdeklinik Seeburg gebracht worden, an ihrer Seite war ihr Sohn Flauschi. Die sehr bemühten Tierärzte in der Klinik stellten bei der Kolik-OP fest, dass die kleine Eselstute nicht zu retten war. Sie wurde vor Ort von ihren Leiden erlöst.

Marie 01

Eselin Marie. Marie musste wegen einer Kolik in die Pferdeklinik. An ihrer Seite hatte sie unsere Eselin Ines, damit sie nicht alleine sein muss. Die OP lief erfolgreich, wir waren glücklich. Dann hörte Marie auf zu fressen. Die Tiermediziner haben alles versucht unsere kleinen Eselstute das Leben zu retten, doch letztendlich musste auch sie erlöst werden

Die Entscheidung, ein Tier erlösen zu lassen machen wir uns niemals leicht. Unsere Tierärzte retten auch lieber Leben, als eines zu beenden. Manchmal ist aber das Erlösen eines Lebewesens praktizierter Tierschutz. Das Loslassen können ist unsere schwerste Übung doch sie gehört dazu. Der Tod gehört zum Leben, auch wenn wir alle stets darunter leiden.

Wenn ein Tier sich selber für diesen Schritt entscheidet, sich hinlegt und einschläft, dann sind wir traurig, doch wir akzeptieren es.

Wenn wir diese Entscheidung treffen müssen, um Leiden zu beenden, so fragen wir uns immer wieder: "Haben wir alles getan? Haben wir unsere Möglichkeiten wirklich ausgeschöpft? Was würde sich das Tier wohl von uns wünschen?" Diese Fragen sorgen für viele schlaflose Nächte bei uns Eselfreunden und wir hoffen, wenn wir einmal den Weg in die Ewigkeit antreten, dass unsere Tiere uns versichern, dass wir in ihrem Sinne gehandelt und die richtige Entscheidung getroffen haben.