Esel in der Landschaftspflege, Eselfreunde im Havelland e.V., Brandenburg

... auf artgerechten Flächen ein Gewinn für alle.

Die Natur bietet ein Vielzahl von Landschaftsformen. Einige sind natürlichen Ursprungs, andere entstanden durch das Wirken der Menschen. Landwirtschaft, Forstwirschaft und weitere Formen der menschlichen Nutzung und Kultivierung haben Einfluss auf unseren Lebensraum. Die unterschiedlichen Landschaftsformen, sowohl natürlichen als auch menschlichen Ursprungs sind zu wichtigen Lebensräumen für zahlreiche Tiere, Pflanzen und Insekten geworden. Diese Lebensräume müssen gepflegt und geschützt werden, nur so bleiben sie uns und unserer Umwelt auf Dauer erhalten.

Zum Erhalt und zur Pflege von bestimmten Landschaften werden gerne pflanzenverzehrende (herbivore) Tiere eingesetzt. Die Landschaftspflege mit Tieren bedarf guter Kenntnisse über die Bedürfnisse der Landschaft und der Tiere.

Trockenflächen, Magerrasen - Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen

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Esel, als Steppentiere und Wüstenbewohner, benötigen einen möglichst trockenen Boden sowie eine magere Ernährung mit einem großen Anteil an Raufaser. Bei uns in Brandenburg gibt es viele trockene, magere Standorte. Diese Flächen sind ideal, um dort Landschaftsschutz mit Eseln zu betreiben.

Durch ihr arttypisches Verhalten, umherwandern auf der Suche nach würzigen Wildkräutern, scharren im Boden und Wälzen zur Körperpflege, sorgen sie auf sandigen Flächen dafür, dass es immer offene Stellen gibt.

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Diese offenen Stellen in der Grasnarbe bieten Lebensraum für viele kleine Mitlebewesen. Einige Wildbienen und Wespen brauchen diese, um dort zu nisten. Insekten wie der Ameisenlöwe, verschieden Sandlaufkäfer und andere Arten benötigen ebenfalls offene, sandige Stellen, um überleben zu können. 

Diese unscheinbaren Gesellen sind ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Weitere seltene oder gefährdete Arten, z. B. die Zauneidechse oder die Heidelerche ernähren sich und, im Fall der Heidelerche ihre Nachkommen, von den Insekten. Die Zauneidechse ihrerseits ist widerum wichtig im Nahrungsspektrum weiterer Spezies.

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Einige Wildbienen- und Wespenarten graben Gänge in die Erde, um dort Ihre Eier abzulegen. Dazu benötigen sie, offene Flächen. Wildbienen sind wichtige Bestäuber, Wespen haben ebenfalls eine wichtige Funktion im Naturkreislauf. Es ist bei hohen Geldstrafen verboten, Wespen oder Bienen zu töten.

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Die Zauneidechse gehört in Deutschland zu den besonder streng geschützen Reptilien. Sie benötigt unterschiedlich strukturierte Standorte. Unter anderem warme, sandige Flächen für die Eiablage, Baumstubben oder Steinhaufen, um sich im Schatten abkühlen zu können und, um sich zu verstecken.

Spezialisierte Pflanzen profitieren ebenfalls vom Erhalt und der sachkundigen Pflege magerer Flächen.

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Der Huflattich ist einer der ersten Frühjahrsblüher und eine sehr wichtige Nahrungsquelle für Bienen. Er blüht, bevor er seine Blätter austreibt. Man findet ihn auf trockenen Standorten. 

Bei der Landschaftspflege müssen viele Aspekt bedacht werden. Damit das Überleben der Arten dauerhaft gesichert ist, muss "Inselbildung" vermieden bzw. rückgängig gemacht werden. Die Lebewesen, Tiere und Pflanzen, benötigen genetische Vielfalt, um gesund zu bleiben. Dies ist nur möglich, wenn einzelne Individuen die Gelegenheit haben ab- und zuzuwandern. Pflanzen mit flugfähigen Samen können den Wind nutzen, um auf einem weiter entfernten Standort zu keimen. Kleine Insekten, wie z. B. Käfer müssen laufen, daher ist es ihnen nicht möglich weite Strecken zu bewältigen. Dafür benötigen sie Korridore in der Landschaft, die Ihnen eine Migration ermöglicht.

Gleichgewicht wieder herstellen und erhalten

Ein Fläche, die nicht gepflegt wird, verbuscht sehr schnell. Natürlich ist es wünschenswert, dass sich die Natur zurückholt, was ihr genommen wurde. Wie jedoch bereits erwähnt, müssen einige Habitate zum Schutz der dort lebenden Spezies erhalten werden. Wenn aus einem Magerrasen ein Wald wird, dann ändert sich dort die komplette Flora und Fauna.

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Esel lieben Gehölze. Diese sind schmackhaft und gesund für die Tiere. Wenn eine Fläche zu verbuschen droht, können Esel dort wieder Freiraum schaffen, indem Sie die jungen Sträucher und Bäume abknabbern. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass auf der Fläche nur für Esel ungiftige Gehölze wachsen.

 

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Hochständige Gräser mit einem hohen Raufaseranteil sind eine gesunde Bereicherung für den Eselspeiseplan.

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Auch würzige Wildkräuter dienen der Eselgesundheit und sollten auf keiner Eselweide fehlen.

Es gibt sowohl exotische als auch heimische Pflanzen, die durch ihr aggressives, schnelles Wachstum eine Bedrohung für andere Pflanzen darstellen. Ein Beispiel für eine heimische Pflanze ist das Land-Reitgras. Durch seine Eigenschaften verdrängt es auf den Flächen die es bewächst in kürze viele andere andere Arten. Es breitet sich unterirdisch durch Rizome aus. Esel fressen nicht nur die oberirdischen Teile der Pflanze sondern graben auch nach den Wurzeln, um diese zu Fressen. Somit sind Esel recht gut in der Lage, den Bewuchs mit Land-Reitgras zu minimieren.

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Des Forstmannes Leid ist des Esels Freud`. In diesem Fall ist des Forstmannes leid die Späte Traubenkirsche. Einstmals wurde sie importiert, um heimisch Gärten und Parks zu begrünen und in der Hoffnung, wertvolles Holz ernten zu können. Die an sie gestellten Erwartungen der Holzwirtschaft hat sie nicht erfüllt. Mittlerweile breitet sie sich stark in unseren Wäldern aus und ist nur schwer zu bekämpfen. Das schnellwüchsige Buschwerk verhindert das Aufkommen heimischer Gehölze. Entfernt man eine Pflanze und belässt nur einen Rest Wurzel im Erdreich, treibt sie wieder aus.

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Die Esel können den Wuchs der Pflanze durch ihre Fresstätigkeit in gemäßigten Bahnen halten. Das wiederholte Abnagen und Abfressen schwächt auf Dauer auch diesen Pflanze.